Digitale Kunst. Bildmotiv Calculated beauty.
›Calculated Beauty‹ / 2018 / Digitales 3D-Rendering : : :


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© 2020 by Heinz Hermann Maria Hoppe
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›Calculated Beauty‹ : : :


Kommentar
Autor: Heinz Hermann Maria Hoppe

Berechnete Ästhetik : : : Digitale Kunst


Uhren waren bald nach ihrer Erfindung viel mehr, als nur Instrumente zur Zeitmessung. Die feine Mechanik der Uhrwerke und anderer technischer Apparaturen faszinierte die Menschen und prägte ihre Weltanschauung. Präzise ineinandergreifende Bauteile mit ihren spezifischen Funktionen, kombiniert mit systemischem Denken, befeuerten die Technikgläubigkeit. In Modellen bildete der Geist der Mechanik die menschliche Anatomie und die Planetenbahnen ab. Geniale Erfindungen ermöglichten immer kühnere Konstruktionen für den Bau der Titanik, des Eifelturmes, der Apollo-11-Rakete … Perfektionierte Motoren mit ihren interagierenden Kurbelwellen, Pleuelstangen und Kolben ›unter der Haube‹ begeistern bis heute.

»Form follows function«1 – neben neuen Funktionen prägen innovative Technologien generell auch unser ästhetisches Empfinden. Die aktuellen Megathemen ›Künstliche Intelligenz‹ und ›Biotechnologie‹ werden sich vermehrt auch in der Kunst und im Grafikdesign wiederfinden. In Bildagenturen findet man schon länger und zuhauf Visualisierungen stilisierter Datenströme und ›Clouds‹.

Algorythmen analysieren nicht nur Daten. Die strenge Logik der Nullen und Einsen erzeugt auch immer schönere Bilder. Programme produzieren Ästhetik. Andersherum gestalten Menschen für Algorythmen. Texter und Webdesigner optimieren ihre Kreationen eigens für Suchmaschinen. So mancher Text wird von vornherein ausschließlich für die Robots geschrieben. Dass unser ästhetisches Empfinden auch durch die IT geprägt ist, verwundert nicht: die digitalen Entwurfswerkzeuge in Grafikprogrammen sind ›erwachsen‹ geworden und haben Stift und Pinsel weitgehend ersetzt.

Alle ›möglichen‹ Prozesse werden digitalisiert und automatisiert. Sogar die qualifizierten Arbeitsfelder von Ärzten und Rechtsanwälten sollen sich durch Kollaborationen mit künstlicher Intelligenz verschieben. Wie steht es in der Beziehung um die Berufsfelder der bildenden Kunst? Kann Künstliche Intelligenz auch Kreative ersetzen? Ist künstlerisches Schaffen überhaupt an menschliche Künstler gebunden?

Gestaltung ist in besonderem Maß mit Emotionen verbunden. Auf der untersten Ebene unseres ›Betriebssystemes‹ sind Emotionen aber biochemische Prozesse. »Gefühle beruhen nicht auf Intuition, Inspiration oder Freiheit – sie beruhen auf Berechnung«2. Was, wenn unsere Emotionen ausgewertet und durch Algorythmen kreativ interpretiert würden? Künstliche Intelligenz wäre innerhalb kürzester Zeit in der Lage, Bilder, Kompositionen und Malstile vergangener Jahrhunderte zu analysieren. Anhand von Analysen massenhaft gelikter Bilder ließen sich Themen, Trends, Gestaltungsstile und Farbpräferenzen zu neuen künstlerischen Werken kombinieren.


Aus diesen Gedanken heraus stellen sich neue Fragen:


Anmerkungen:
1: Der Ausdruck »Form follows function« wird dem amerikanischen Architekten Louis Sullivan zugeschrieben.
2: Yuval Noah Harari, ›21 Lektionen für das 21. Jahrhundert‹, C∙H∙Beck, S. 91


Digitale Kunst. Bildmotiv Calculated beauty. Totale.

›Calculated Beauty‹ / 2018 / Digitales 3D-Rendering / Belichtet ultraHD auf Fuji Crystal DP II Fotopapier, kaschiert auf Alu-Dibond / Unikat / 150 cm (H) ∙ 120 cm (B) / handsigniert : : :

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