Künstlerische 3D-Visualisierung der Geburt einer Corona. Das Bild ist angelehnt an das Gemälde von Sandro Botticelli: ›Die Geburt der Venus.‹ Im Original lautet der Bildtitel ›La nascita di Venere‹, im Englischen lautet der Bildtitel: ›The birth of Venus‹. Das Original hängt in den Uffizien in Florenz. Die Bildelemente wurden im Vergleich zum Original gespiegelt. Rechts oben im Bild angeordnet, bläst ein großer, gelber Ventilator Viren in den Raum. In der Bildmitte steht auf einem Sockel die Corona auf der Muschel. Gleichzeitig ist sie in einem überdimensionierten Reagenzglas gefangen. Nur ihr Kopf hat das Glas durchdrungen. Im Hintergund sind verschlossene Türen zu sehen, der Raum wird von vielen Videokameras überwacht. Drei Pandolinos mit Schuppen, die Dollarnoten abbilden, laufen in Richtung einer geöffneten Tür. Im Hintergrund sind Wolkenkratzer zu sehen. Eine männliche Hand reicht der Corona eine Viren-Schutzmaske und zeigt gleichzeiting in Richtung ihres Kopfes und des gelben Ventilators.
›Birth of Corona‹ / 2020 / Digitales Mixed Media / Unikat im Format 172,5 cm (H) ∙ 278,5 cm (B), belichtet auf Fotopapier, handsigniert. /// Auflage 5 im Format 86 cm (H) ∙ 139 cm (B), belichtet auf Fotopapier Fuji Crystal DP II velvet, kaschiert auf Alu-Dibond / nummeriert und handsigniert.

Das vorliegende Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt.
© 2020 by Heinz Hermann Maria Hoppe
Alle Rechte vorbehalten


›Birth of Corona‹ /// Digitale Malerei : : :


Kommentar
Autor: Heinz Hermann Maria Hoppe

Die Geburt der Corona : : :
Digitale Kunst


Juni 2020: Die Welt wirkt noch immer wie gelähmt. Es geht um Leben, Tod und um viel Geld. Das Ranking der Kranken-, Toten- und Wirtschaftszahlen in den Presse-Diagrammen hält an. Weltweit sind die Ängste und Hoffnungen der Menschen ungleich verteilt. Manche können nicht atmen, bangen um ihre Existenz und um ihre Zukunft. Andere sorgen sich um Boni-Zahlungen oder schlagen aus der Situation Gewinn. Regierungen wirken machtlos und experimentieren mit Milliarden gegen Rezessionen. Eine Unbekannte war vor wenigen Monaten in China geboren worden und hat sich quer in unser Leben gestellt: ›Corona‹.

Massen bewegende Umwälzungen, Katastrophen und Schlüsselmomente werden in Bilder übersetzt. In der Luft liegende Ideen, religiöse, wissenschaftliche und politische Umwälzungen, technische Erfindungen und der Zeitgeist stehen in Wechselwirkung mit den Ausdrucksformen der Kunst. Ohne Änderungen innerhalb der Bildsprachen gäbe es keine Kunstgeschichte. Auch mit dem Beginn der Coronavirus SARS-CoV-2-Pandemie wurden innerhalb kürzester Zeit Schnappschüsse, Zeichen und Zeichnungen, Videos und Kunstwerke veröffentlicht, die das neue Virus thematisieren.

Künstlerische Reaktionen auf bewegende Ereignisse im Leben der Menschen gab es schon immer, angefangen mit den Darstellungen von Jagdszenen in Höhlenmalereien. Aber wie wurden und wie werden sie gestaltet? Wie zeitlos sind unsere Ausdrucksweisen? Wie hätte zum Beispiel ein klassischer Maler die aktuellen Ereignisse auf die Bildfläche gebracht? Wenn man mit einer ›visuellen Zeitmaschine‹ in die Vergangenheit reisen könnte, wie hätte ein früherer Künstler die aktuelle Pandemie wiedergegeben? Sind Abstraktionen der Moderne fortschrittlicher als die realistischen Darstellungen früherer Jahrhunderte? Gibt es überhaupt einen Fortschritt in der Kunst oder kommt alles in einer Endlosschleife wieder?

Metaphern erzählen, interpretieren und helfen, Erlebtes zu verarbeiten. Auf Leinwänden werden Geschichten erzählt und abstrakte Sachverhalte veranschaulicht. In der Malerei und in der Bildhauerei waren allegorische Darstellungen seit der Antike üblich. Damals konnten die meisten Menschen Schriften nicht lesen, wohl aber Bilder: über das Wirken der Götter, die Kreuzigung, die Heldentaten der Mächtigen, die Schönheit der Natur und über exotische Reisen in ferne Länder. Auch in der bildenden Kunst der Renaissance wurden Allegorien gemalt.

Weisheit und Schönheit waren zentrale Themen. Nach den finsteren Darstellungen des Mittelalters wurden in der Renaissance humanistische Ideale wiedergeboren und verkehrten die Bildstimmungen ins Gegenteil. Die Kunst besann sich in Form neuer Perspektiven, Proportionen und lichtdurchfluteter Szenen der humanistischen Ideale aus der griechischen und der römischen Antike. Das irdische Dasein rückte für die Menschen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Die ›Geburt der Venus‹ von Sandro Botticelli, gemalt ca. 1485, gilt als mythologisches Schlüsselwerk der frühen Renaissance. Das Bild feierte erstmals seit der Antike wieder die Schönheit des nackten Frauenkörpers. Mitte des 14. Jahrhunderts war dem Gemälde eine Pandemie vorausgegangen: Die Pest, der ›Schwarze Tod‹, hatte mit geschätzten 25 Millionen Todesopfern ein Drittel der damaligen Weltbevölkerung hinweggerafft.

Das aktuelle Geschehen der Corona-Pandemie mit ›elektrischen Pinseln‹ digital zu interpretieren, war ein visuelles Experiment. Die Komposition lädt das weltweite Ereignis symbolisch auf. ›Birth of Corona‹ ist eine freie, visuelle Transkription von ›Die Geburt der Venus‹ (›La nascita di Venere‹) – im 3D-Raum anstatt mit Eitempera gemalt.

Warum eine rückwärtsgewandte Zeitreise, warum keine vorwärts gerichtete Suche nach einer neuen Ausdrucksform? Weil ein großer Sprung in die Vergangenheit der Bildgestaltung auch den Blick für schleichende Veränderungen in der Gegenwart schärft. Wir durchschauen auch die Auswirkungen einer ganz anderen Seuche, einer Art ›visueller Pest‹, nicht mehr: Der inflationäre Gebrauch von inhaltslosen und oberflächlichen Bildern vermüllt unsere Hirnwindungen. Automatisch per Künstlicher Intelligenz und Apps berechnete Effektbilder fluten alle medialen Kanäle und spiegeln unsere visuelle Kultur.

Den Gedanken, die Jetztzeit mit über 500 Jahre alten Versatzstücken neu zu codieren und eine Art Fortsetzung im 3D-Raum zu malen, finde ich faszinierend. Die Theatralik des Bildes mag manchem Betrachter ›manieristisch‹ erscheinen. Den Vorwurf einer ›kitschigen‹ Anmutung musste sich auch ›Die Geburt der Venus‹ immer wieder gefallen lassen. Auf der anderen Seite erscheint Botticellis Werk über Jahrhunderte hinweg bedeutsam. Symbole gehen nicht immer Hand in Hand mit Farbnuancen.


Ausschnitte aus dem digitalen Gemälde ›Birth of Corona‹ : : :
Ausschnitt aus dem digitalen Kunstwerk. Er zeigt das Gesicht der Corona. Die Gesichtshaut ist mit Fragmenten aus dem Bild von Botticelli versehen. Man erkennt Teile der Venus und eine Blume.

Ausschnitt der Brust der Corona. Auch hier ist die Textur aus Fragmenten aus dem Gemälde ›La nascita di Venere‹ gebildet.

Ausschnitt, Brust der Corona. Die Textur des 3D-Renderings wirkt in der Vergrößerungsstüfe wie mit Ölfarben gemalt.

Bauch und Oberschenkel der nackten Corona mit weiteren Texturfragmenten aus dem Originalwerk von Botticelli.

Auf dem Oberschenkel sind ornamentale Blumen zu sehen, eine Reminiszenz an die floralen Muster aus dem Original.

Ein großer, gelber Virus in Detailansicht. Die Oberfläche wirkt wie gemalt und reflektiert die Umgebung.

Eine Überwachungskamera in der Vergrößerung. Die Überwachungskameras kreisen die Corona auf dem Sockel ein.

Drei Pandolinos bewegen sich in Richtung einer geöffneten Tür im Hintergrund.

Ein näherer Blick auf die Pandolinos.

Weitere Informationen:

„Die Geburt der Venus (Botticelli)“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 15. Juni 2020, 11:07 UTC. (Abgerufen: 6. Juli 2020, 15:07 UTC)


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