Ein Schwarm von Überwachungsdrohnen reiht sich über weisser Landschaft auf. Die zerklüftete Kulisse ist in weissen, roten und braeunlichen Farbtönen digital gemalt. Unterhalb der vorderen Drohnen sind die Objektive der Überwachungskameras deutlich sichtbar.
‘Eyes of Order II’ aus der ersten Gemäldeserie ‘Surveillance’ (Überwachung) / 2021 / Digitale Malerei / Belichtet auf Fuji Crystal DP II glänzend, laminiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Das vorliegende Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt.
© 2021 by Heinz Hermann Maria Hoppe
Alle Rechte vorbehalten


Überwachung : : : Erste Gemäldeserie


Die Augen der Ordnung : : :
Digitale Malerei


Eine einzelne Überwachungsdrohne steht halbschräg im Luftraum vor brennender Kulisse. Die digitale gemalte Szenerie wirkt chaotisch und bedrohlich.
‘Eyes of Order I’ aus der ersten Gemäldeserie ‘Surveillance’ (Überwachung) / 2021 / Digitale Malerei / Belichtet auf Fuji Crystal DP II glänzend, laminiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Überwachungskameras reihen sich hintereinander auf. Alle Objektive sind auf den Betrachter ausgerichtet.
‘Eyes of Order III’ aus der ersten Gemäldeserie ‘Surveillance’ (Überwachung) / 2021 / Digitale Malerei / Belichtet auf Fuji Crystal DP II glänzend, laminiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Ungezählte Überwachungskameras fluchten in einer Allee aus Eisenmasten und optischen Linsen. Der apokalyptisch wirkende Bildhintergrund ist in lichtdurchbrochenen Brauntönen gemalt und wirkt wie ein düsterer Wald.
‘Eyes of Order IV’ aus der ersten Gemäldeserie ‘Surveillance’ (Überwachung) / 2021 / Digitale Malerei / Belichtet auf Fuji Crystal DP II glänzend, laminiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Mechanische Fluginsekten schwirren vor flirrenden Farben. Das digitale Kunstwerk portraitiert die künstlichen Fliegen mit ihren Kameraaugen, die, vom Menschen unbemerkt, Einblick in die Umgebung geben könnten.
‘Eyes of Order V’ aus der ersten Gemäldeserie ‘Surveillance’ (Überwachung) / 2021 / Digitale Malerei / Belichtet auf Fuji Crystal DP II glänzend, laminiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Ein Schwarm von mechanischen Fliegen fliegt von rechts nach links ins Bildformat. Überwachungskameras anstelle von Facettenaugen machen das Potential kleinster Überwachungsdrohnen sichtbar.
‘Eyes of Order VI’ aus der ersten Gemäldeserie ‘Surveillance’ (Überwachung) / 2021 / Digitale Malerei / Belichtet auf Fuji Crystal DP II glänzend, laminiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Die Frontalansicht eines Schwarms zeigt die Details der Sensoren und der mechanischen Elemente. Die Überwachungsfliegen kommen bedrohlich auf den Betrachter zu.
‘Eyes of Order VII’ aus der ersten Gemäldeserie ‘Surveillance’ (Überwachung) / 2021 / Digitale Malerei / Belichtet auf Fuji Crystal DP II glänzend, laminiert auf Alu-Dibond / Limitierte Edition: 3 + 1 AP / 13.287 Pixel (H) ∙ 23.622 Pixel (B) / 112,5 cm (H) ∙ 200 cm (B) / Nummeriert und handsigniert.

Kommentar
Autor: Heinz Hermann Maria Hoppe

Am Arbeitsplatz, im Kaufhaus, vor dem Rathaus und über den Kreuzungen richten sich Objektive auf uns aus. Technologien zur Überwachung sind bei Spionen so begehrt wie bei Schrebergarten-Besitzern. Die geschliffenen Linsen der blechernen Spione sind scharfsichtig wie Adleraugen. Sensoren und Algorithmen sind moderne Antworten auf unsere Ängste um Sicherheit und Ordnung. Technik soll unseren Traum nach Reinheit und Transparenz erfüllen. »Warum auch nicht? Wir haben ja nichts zu verbergen.« Freiwillig gewähren wir den anonymen Aufpassern hinter den Monitoren tiefe Einblicke in unsere Privatsphäre – nur zu unserer eigenen Sicherheit?


Terrorismus und Kriminalität katapultieren Leid und Ängste in die Welt. Ohne Frage brauchen ›sensible Bereiche‹ Überwachungseinrichtungen. Aber das Verhältnis von ›Bedrohung durch reale Gefahren‹ zu ›Überwachungsmaßnahmen‹ scheint aus dem Ruder zu laufen. Der Industrie bringt unser ›Verlangen nach Sicherheit‹ satte Umsatzzuwächse. Freie Gesellschaften werden mit immer mehr Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen konfrontiert, sichtbarer Ausdruck von Misstrauen gegenüber jedem. Überwachungstechnik verschiebt die Machtverhältnisse zugunsten der ›Sehenden‹ und erzeugt Überwachungsdruck. Die ›großen Brüder‹ dieser Welt erspähen nicht nur unsere Nöte und Gefahren. Sie blicken auch tief in unsere Gewohnheiten, Verhaltensweisen und in unsere Geldbörsen. Denn dieselben Menschen, die beschützt werden sollen, sind auch Konsumenten. Das Argument »Sicherheit« taucht nahezu verschwenderisch in der Argumentation auf, in der Werbung wie in der Propaganda. »Sicherheit« lässt sich, nahezu immer, »todsicher« verkaufen.

Freiwilliger Verzicht auf bürgerliche Freiheiten führt nicht zu mehr Sicherheit und nur vorübergehend zu Glückseligkeit. ›Lückenlose Nachverfolgung‹ wäre ein Schreckgespenst der Freiheit. Der Glaube an den Gewinn von Sicherheit, im Tausch gegen ›Transparenz‹, ist blauäugig. Auf Schritt und Tritt getrackt, sind mobile Gesellschaften nicht sicherer und freier, sondern befangen.

Im Panoptikum der Macht ist das Wissen über ›selbstlernende Algorithmen‹ für ›biometrische Gesichtserkennung‹ und ›Bewegungsmuster-Analysen‹ interessant. Dieses Knowhow hilft mit, Freiheiten und Lebenswege der Menschen zu beschneiden. Das grundsätzliche Misstrauen gegenüber der eigenen Bevölkerung ist typisch für Überwachungsstaaten. Kontrollen und soziale Ächtungen folgen auf Propaganda, in der mit »mehr Sicherheit für die Gesellschaft« argumentiert wird. Totalitäre Macht geht einher mit Zensur, mit dem Erzeugen von Schuldgefühlen, mit Einschüchterungen und mit Hetze. Den Rest besorgt eine infiltrierte, willfährige Mehrheit dann irgendwann selber, wenn die Strukturen bis in die untersten gesellschaftlichen Ebenen eingeübt sind. »Dann zeigen einen sogar die eigenen Kinder an.« In soziale Gruppen einsortiert, ausgegrenzt oder inhaftiert, landen Andersdenkende, als unerwünschte ›Elemente‹ stigmatisiert, in Ghettos oder hinter Gittern. Koordinierte Maßnahmen zur Überwachung sind Voraussetzung für einseitige Übermacht-Strukturen. Die Gier nach Daten geht mit der nach Macht einher, Datenschutz für Bürger interessiert dann längst nicht mehr.

Überwachungstechnik ist ein ›zweischneidiges Schwert‹, bleibt aber immer ein Schwert. Sie kann uns vor Verbrechen schützen oder unsere Privatsphäre verletzen und rauben. ›Transparenz‹ und ›Sicherheit‹ halten als Argumente zur Umsetzung von Überwachung her, die von unscheinbaren Apparaturen und von ausgeklügelter Software bedient werden. Die größte Macht hätte, wer die Gedanken der Menschen lesen könnte. Fortschritte in der Kombination automatischer Echtzeit-Auswertungen von Pupillenbewegungen, Mimiken und Körperhaltungen sind nahe daran, diesen Albtraum wahr werden zu lassen. Big Data und Künstliche Intelligenz sind das ›Traumpaar‹ für Programme zur ›gesellschaftlichen Transparenz‹.

›Sicherheitsdenken‹ bewegt sich daher in einem Spannungsfeld mit wahren bürgerlichen Freiheiten und freiheitlichem Denken. Zwischen notwendigen Überwachungsmaßnahmen zur ›betrieblichen Geheimhaltung‹ und den ›Rechten auf persönliche Freiheiten‹ der Mitarbeiter, schlägt das Pendel oft zu Ungunsten der Arbeitnehmer aus. 360-Grad-überwachte Beschäftigte sind, wie ›gläserne Patienten‹, unfrei. Sie sind genötigt, ›lächelnde Miene zum bösen Spiel‹ zu machen. Wo Behörden und Chefs jederzeit unbemerkt ›spähen‹ können, sind wir fast schon mitten im Orwell-Film. Die Aufzeichnung von Tätigkeiten, besuchten Websites, genutzten Programmen und die Verknüpfung dieser Daten, machen grundsätzlich jeden verdächtig, der irgendwelchen theoretischen Mustern zugeordnet werden kann. Die Möglichkeit, anormale Verhaltensweisen auf der einen Seite zu erkennen, führt auf der anderen Seite zu angepasstem und schauspielerischem Verhalten.

Zentrale Datenspeicherungen beinhalten im Vergleich zu dezentralen Systemen Gefahren. ›Elektronische Brieftaschen‹ für Bürger mögen effizient erscheinen, setzten aber die Übersicht und Zuordnung über die genauen Merkmale und Daten zu einer Person voraus. Aus dem Grund sind Netzaktivisten dafür, dass keine Stelle den vollen Überblick über Bürger hat, damit nicht umfassende Daten zu einer Person miteinander verknüpft werden können und die digitale Souveränität (›Self-Sovereign Identity/SSI‹) gewahrt bleibt. ›ePässe‹ mit biometrischen Daten, ›Online-Banking‹, ›RFID-Technologie‹, Körperscanner, ›Lausch-‹ und ›Hackerangriffe‹, die Übermittlung von ›Fluggastdaten‹, ›Online-Durchsuchungen‹, ›DNA-Datenbanken‹ und insbesondere die Verknüpfung und Vernetzung dieser Daten, stellen gewaltige Herausforderungen für den Datenschutz dar. Wer weiß denn schon, ob in Zukunft nicht unsere Iris zur automatischen Identifikation genutzt werden wird, dieselbe Iris, die auch auf den von uns geposteten ›Selfies‹ zu sehen ist?

Unsere Ergebenheit gegenüber den sozialen Medien ignoriert die Risiken, die sich unternehmerische Monopole und totalitäre Systeme zu Nutze machen. »Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts befürchten« ist verkehrt. »Der Mensch, der bereit ist, seine Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren« von Benjamin Franklin ist zutreffend. Wo man sich immerzu gegenseitig belauert, ist Missgunst der Keim für Denunziationen, Hauen und Stechen. Meinungsfreiheit funktioniert nicht mit ›argwöhnischen Blicken‹ im Rücken und ›Wänden, die Ohren haben‹. Latenter Anpassungsdruck führt zu verängstigten Mitmenschen, die sich nicht trauen, ihren Mund aufzumachen, obwohl man ihnen mit den Kameras angeblich doch Ängste nehmen wollte.

Zweifelsfrei hält Überwachungstechnik Kriminelle ab. Überwachung ist aber auch ein Handel mit Ängsten. Er schafft eine Kulisse, die uns daran erinnert, dass wir besorgt sein sollten und ständig ausgeliefert sind. Wir sollen gar nicht wissen, wann wir beobachtet werden, damit wir uns nie unbeobachtet fühlen. Das soll für Ordnung sorgen, schürt aber auch ständiges Misstrauen und Angst gegenüber den anderen. Dabei wünschen wir uns Orte, an denen wir unbesorgt sein können, Orte echter Ordnung und aufrichtiger Transparenz, die keine bösen Überraschungen verbergen, sondern Ruhe und Frieden ausstrahlen. Wie kann eine Umwelt ›sauber‹ sein, die durch andauernd fokussierende Objektive latente Gefahren signalisiert?

Würde unsere Ausstrahlung von mehr Vertrauen in unsere Mitmenschen, unterm Strich, nicht mehr Sicherheit schaffen, als eine Atmosphäre des Misstrauens und des Generalverdachtes? Ist die Vorstellung von Gesellschaften, in der dem Gegenüber zunächst gute, statt schlechte Absichten unterstellt werden, tatsächlich naiv? Warum entwickeln wir neben Überwachungskameras nicht auch Apparate zur Förderung vertrauensbildender Maßnahmen? »Denn das Bild des Menschen, das wir für wahr halten, wird selbst ein Faktor unseres Lebens. Er entscheidet über die Weisen unseres Umgangs mit uns selbst und mit den Mitmenschen, über Lebensstimmung und Wahl der Aufgaben.« (Karl Jaspers). Was ist an diesem Gedanken naiv?


Literaturempfehlung:

Baumann, Zygmunt und Lyon, David: Daten, Drohnen, Disziplin, Ein Gespräch über flüchtige Überwachung. Suhrkamp Verlag Berlin, 3. Auflage 2014.


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